Montag, den 27. Juni 2011 um 14:32 Uhr
Geschrieben von: www.adac.24h-Rennen.de
Bei der 39. Auflage des ADAC Zurich 24h-Rennens siegten an diesem WochenendeMarc Lieb (Ludwigsburg) / Lucas Luhr (Schweiz) / Timo Bernhard (Dittweiler) /Romain Dumas (Schweiz) im Porsche 911 GT3 RSR. Die Piloten um den BonnerTeamchef Olaf Manthey konnten sich vor 250.000 Zuschauern rund um dielegendäre Nordschleife des Nürburgrings in einem packenden Schlagabtauschgegen Dutzende Werksmannschaften und werksunterstützte Teams durchsetzen.Nach 156 Runden (3.958,968 km) lagen sie im Ziel des wohl schnellsten 24h-Rennens aller Zeiten vor der zweitplatzierten Werksmannschaft von BMW Motorsport.Jörg Müller (Monaco) / Augusto Farfus (Brasilien) / Uwe Alzen (Betzdorf) /Pedro Lamy (Portugal) verfehlten damit im BMW M3 GT die Titelverteidigungknapp. Dritte wurden Marc Basseng (Neusalza) / Marcel Fässler (Schweiz) / AndreaPiccini (Italien) / Frank Stippler (Bad Münstereifel), die im Audi R8 LMS dasVorjahresergebnis der am Nürburgring beheimateten Phoenix-Mannschaftwiederholen konnten. Ausführliche Informationen und Ergebnisse zumLangstrecken-Klassiker gibt es unter www.24h-rennen.de auch im Internet.
Nach einem enorm spannungsreichen Verlauf in den ersten beiden Renndritteln konnten sich die späteren Sieger ab dem Sonntagmorgen darauf konzentrieren, ihre Platzierungen mit Topspeed ins Ziel zu tragen. Zuvor hatten die Fans auf den prall gefüllten Zuschauerplätzen eine packende Startphase mit vielen Führungswechseln erlebt, die nahtlos in einen nächtlichen Hochgeschwindigkeits-Kampf überging. Hier legten die Manthey-Fahrer den Grundstein für den Sieg, als sie sich mit einer Serie schneller Runden vom Rest der Konkurrenz absetzen konnten. „Dieses 24h-Rennen war für uns vielleicht das Schwierigste“, gestand Teamchef Manthey, „denn die Konkurrenz war wirklich enorm groß. Unsere Strategie war, auf die eigene Kraft zu vertrauen und uns nicht auf übertriebene Positionskämpfe einzulassen. Das ist voll aufgegangen. In der Nacht konnten wir uns mit schnellen, konstanten Rundenzeiten aller vier Fahrer absetzen – und dieser Vorsprung hat den Weg zum Erfolg geebnet. Ich freue mich riesig für unserganzes Team, das für diesen Sieg noch härter gearbeitet hat als je zuvor.“ Große Freudeherrschte auch bei BMW Motorsport. „Das ist ein Höhepunkt der Saison für unser Team und für mich ein krönender Abschluss der beruflichen Karriere“, bilanzierte BMW Motorsport-Direktor Dr. Mario Theissen. „Im vergangenen Jahr haben wir hier gewonnen, weilwir weniger Zwischenfälle hatten als die Konkurrenz – in diesem Jahr lief es umgekehrt. Dieses Rennen birgt so viele Unwägbarkeiten, dass man einen Sieg nicht vorausplanen kann.
“Stuck: Abschied vom Lenkrad Einen emotionalen Abschied als aktiver Fahrer von der Motorsportbühne feiert an diesem Wochenende Hans-Joachim „Striezel“ Stuck. Mit seinem Sieg bei der ersten Auflage des 24h-Rennens im Jahr 1970 legte der Wahl-Österreicher den Grundstein für eine einmalige Fahrerkarriere, die nun an gleicher Stelle endete: Auf einem Lamborghini LG 600 ging der Publikumsliebling gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Johannes und Ferdinand sowie Dennis Rostek (Porta Westfalica) ins Rennen. Mit dem 15. Platz war der Altmeister höchst zufrieden: „Das Wochenende hat mir super viel Spaß gemacht“, grinste Stuck. „Das Größte für mich war, dass Ferdi von uns die schnellsten Runden gefahren ist. Auch in der Nacht hat er einen tollen Job gemacht. Für mich ist das ein Zeichen, dass ich den Staffelstab jetzt an meine Söhne abgeben kann.“ Dabei ließ es sich Stuck nicht nehmen, während der letzten Runden höchst persönlich ins Volant zu greifen: „Ich habe mich auf die letzten Runden sehr gefreut und wollte jede einzelne genießen.“
Hoch zufriedene Organisatoren „Dieses 24h-Rennen war ein echter Langstrecken-Krimi“, freute sich Rennleiter Walter Hornung nach dem Zieleinlauf. „Drei Marken teilen sich die ersten vier Plätze, der Kampf der Top-Teams war spannungsreich und ausgeglichen: Das bestätigt unser intensives Bemühen, über das Reglement ein größtmögliches Maß an Chancengleichheit herzustellen.“ Noch bis in den Stunden vor dem Start am Samstagnachmittag hatten die Experten an den in einer Balance of Performance festgelegten Leistungs-Eckdaten gefeilt und in den Topklassen den GT3-Fahrzeugen noch einen Gewichtsvorteil eingeräumt. „Im Ziel haben es Fahrzeuge aus drei verschiedenen Klassen – der SP7, der E1-XP2 und der SP9 GT3 – aufs Podium geschafft. Noch mehr Ausgeglichenheit können wir kaumherstellen“, bilanziert der Rennleiter. „Aber ich freue mich auch über die gigantische Kulisse und die vielen Fans, die trotz Regen und Kälte hier tagelang gefeiert haben.“
Stimmen von der Sieger-Pressekonferenz 1. PLATZ: # 18 (LIEB / LUHR / DUMAS / BERNHARD) PORSCHE 911 GT3 RSR Lukas Luhr: „Unser Plan war es, in der Nacht alles zu geben und richtig anzugasen. Das ist uns gelungen, obwohl es im dichten Verkehr nicht einfach war. Auch ich hatte vorne links einmal eine Berührung mit einem anderen Fahrzeug. Diesmal war die Konkurrenz besonders stark und man musste vom ersten bis zum letzten Meter voll pushen“. Timo Bernhard: „Für mich ist es ein ganz besonderer Moment, meinen fünften Sieg beim 24h-Rennen zu feiern. Schade, dass unser Stammpilot Marcel Tiemann diesmal nicht mit dabeisein konnte. Mit Lucas Luhr hatten wir einen guten Ersatz. Das Rennen war superhart. Deshalb sind wir umso glücklicher ohne Probleme über die Runden gekommen zu sein. Wir haben alle das Maximum erreicht. Für Olaf Manthey freut es mich ganz besonders, denn es gibt kaum jemand, der den Motorsport so intensiv lebt wie er.“
Marc Lieb: „Zu Beginn des Rennens war es eine schwere Entscheidung, mit welchem der beiden 911er wir durchfahren sollten. Es war gut, dass wir uns auf ein Auto konzentriert haben, denn um auf zwei Fahrzeugen diese Leistungen zu bringen, dafür war das Tempo zu hoch. Alles lief perfekt, die Autos waren wie immer perfekt vorbereitet.
Romain Dumas: „Das war ein Wettkampf auf hohem Niveau. Wir haben unser bestes gegeben. Bis auf das kleine Problem in der Nacht, als ich das Fahrzeug vorne rechts leicht beschädigt habe, lief es sehr gut für uns. Wir haben uns Platz um Platz nach vorne gekämpft. Das war ein schönes Rennen.“
2. PLATZ: # 1 (MÜLLER / FARFUS / ALZEN / LAMY) BMW M3 GT Uwe Alzen: „Trotz Platz zwei bin ich glücklich. Wir hatten keinerlei technische Probleme. Das war ein reines Sprintrennen, alle haben alles gegeben. Bei dem Starterfeld und dem Rennverlauf muss man froh sein, wenn man hier auf dem Podium steht.“
Augusto Farfus: „Der Nürburgring ist mit der Nordschleife die größte und anspruchsvollste Rennstrecke der Welt. Es war ein einmaliger Kampf auf extrem hohem Niveau. Es gab unzählige Überholmanöver am absoluten Limit. Wir haben die ganze Zeit gepuscht, am Ende war es ein gutes Rennen für uns. Es hat sich ausgezahlt, dass wir am Anfang Gas gegeben haben.“
Jörg Müller: „Das war das schwierigste 24h-Rennen meiner Karriere, denn diesmal waren rund 20 Fahrzeuge siegfähig. Es war schnell klar, dass die 24h zu einem Sprintrennen werden würden. Es war hart aber wunderschön. Unser Auto lief perfekt – ich kann mir kein schöneres Wochenende vorstellen.“
Pedro Lamy: „Leider hatte ich gestern den Unfall im Karussell. Das war eine schwierige Situation in dem Moment und ich sah in diesem Augenblick keine andere Möglichkeit, als ein kurzes Stück gegen die Fahrtrichtung zu fahren.“
3. PLATZ: # 14 (BASSENG / FÄSSLER / STIPPLER) AUDI R8 LMS Marc Basseng: „Wir hatten gleich zu Beginn des Rennens zwei Mal Probleme mit einem losen Frontsplitter. Dadurch verloren wir ungefähr vier Minuten. Unser Ziel war es sicher durch die Nacht zu kommen und dann morgens richtig zu pushen. Dieser Plan ist aufgegangen, wie unser Podestplatz beweist“.
Marcel Fässler: „In diesem Monat habe ich tolle Erfolge im Langstreckensport, neben diesem dritten Platz war der Höhepunkt natürlich der Sieg in LeMans. Bei diesem Sprintrennen und der Konkurrenz ist der dritte Platz absolut in Ordnung.“
Frank Stippler: „Wir stehen auf dem Podium. Das ist ein gutes Ergebnis für uns. Es ist toll, dass auf dem Podest drei verschiedene Hersteller sind. Es war ein tolles Rennen – auch für die Zuschauer. Für unsere Mannschaft war es kein einfacher Job, doch es hat alles gut geklappt. Die Chancengleichheit war gegeben. Wir werden für den Start im kommenden Jahr wieder hart arbeiten.“