Sonntag, den 04. Dezember 2011 um 12:25 Uhr
Geschrieben von: www.VLN.de
Bei der Jahreshauptversammlung der elf VLN-Gesellschafter wurden im Juli 2011 Dietmar Busch und Karl Mauer als neue Geschäftsführer der VLN – der Organisation hinter der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring – gewählt. Nach fünf Monaten im Amt zieht die neue Doppelspitze ein erstes Zwischenfazit und spricht im Interview offen über die abgelaufene Saison, die Entwicklung des Breitensports sowie die Pläne für 2012. Wie ist die Saison 2011 aus Ihrer Sicht verlaufen? Mauer: 2011 war für die VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring ein außergewöhnliches Jahr. Wir haben spannende Rennen erlebt und hatten mehr unterschiedliche Sieger als jemals zuvor. Busch: Hinzu kommt, dass die Starterzahlen im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben sind. Mit rund 190 Nennungen im Schnitt haben wir einen sehr guten Wert erreicht. Damit – und dank der Unterstützung unserer treuen Partner und Sponsoren – steht die Langstreckenmeisterschaft auf einer finanziell gesunden Basis.
Sie haben die Leitung der Serie etwa zur Saisonmitte als Geschäftsführer übernommen. Wie waren die ersten Wochen und Monate? Busch: Das war eine spannende Zeit, denn die neuen Aufgaben im Vorstand der VLN sind sehr vielseitig. Natürlich mussten wir – ich glaube, da kann ich für uns beide sprechen – uns erst einmal in die neuen Rollen hineindenken. Aber nach einer kurzen Eingewöhnung geben wir nun Vollgas.
Mit Ihnen werden die Geschicke der VLN nun als Doppelspitze geführt. Was sind die Vorteile dieser Konstellation? Mauer: Wir haben innerhalb des Vorstandes die Rollen nun klar verteilt – und da hat jeder seinen eindeutig definierten Aufgabenbereich und entsprechende Kompetenzen. Dietmar kümmert sich um das operative Geschäft. Zu meinen Aufgaben gehört das Marketing, der enge Kontakt zu unseren Partnern und Sponsoren und den Medien. Daneben kümmert sich Jöckel Hilgeland vornehmlich um den Sportbetrieb und Rolf Krimpmann um die Themen Auswertung und Veranstaltungen. Wir ergänzen uns sehr gut.
In welcher Form möchten Sie der Serie Ihren Stempel aufdrücken? Busch: Ich denke, es geht weniger darum, sich selbst zu verwirklichen. Vielmehr wollen wir die Serie schrittweise weiter entwickeln. Die Langstreckenmeisterschaft existiert seit 35 Jahren. Und viele der Tugenden, die damals bei der Gründung der Serie zugrunde lagen, gelten auch heute noch. Mauer: Stimmt. Die Serie ist über die Jahre stark gewachsen und war selbstverständlich auch einem stetigen Prozess der Weiterentwicklung unterworfen. Die Kontinuität der Serie zeigt, dass in der Vergangenheit die Weichen durchaus richtig gestellt wurden. Dennoch haben wir uns vorgenommen, immer wieder Dinge zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen. Dabei geht es nicht um eine große Revolution, eher um viele kleine Evolutionen. Unser erklärtes Ziel ist, den Breitensport auf der Nordschleife auch für die Zukunft zu sichern.
Ein gutes Stichwort: Wie hat sich der Breitensport in den letzten Jahren verändert? Busch: Der Breitensport hat in den letzten Jahren einen Wandel erlebt. Während früher das klassische Garagenteam im Vordergrund stand, sind es heute vor allem Paydriver bei professionellen Einsatzteams, die den Charakter der Langstreckenmeisterschaft prägen. Wir haben natürlich auch noch Teams, die selber Hand anlegen, aber die Zahl wird geringer. Mauer: Das ist eine Entwicklung, die in keiner Weise negativ zu sehen ist. Es sind nach wie vor Privatleute, die das Rückgrat der Serie bilden. In diesem Zusammenhang freut es mich persönlich auch, dass 2011 ein Team aus einer Serienwagenklasse den Titel gewonnen hat.
...aber man kann schon sagen, dass die Serie im Schnitt professioneller geworden ist? Mauer: Auf jeden Fall. Die meisten Teams, die Fahrerplätze vermieten, arbeiten auf einem sehr hohen Niveau. Daneben haben auch Profi-Rennställe den Weg in die Serie gefunden. Diese Entwicklung hat vor allem dazu geführt, dass die Langstreckenmeisterschaft bei den Fans und in den Medien einen sehr hohen Stellenwert genießt. Die Spitzengruppe ist gewachsen, aber die Privatiers dominieren nach wie vor das Geschehen.
Mit den Profi-Rennställen kamen auch Profi-Rennfahrer an den Nürburgring... Busch: Aus meiner Sicht ist die Mischung hochinteressant. In der Langstreckenmeisterschaft kämpfen ambitionierte Hobbyrennfahrer gegen Profis. Ein Paradebeispiel ist Arno Klasen, der in diesem Jahr seinen 25. Gesamtsieg feierte und ein Rennen später gleich noch einmal nachgelegt hat. Zugegeben hatte er im Manthey-Porsche beste Voraussetzungen, aber ohne Zweifel hat er auch durch sein fahrerisches Können den ein oder anderen Profi hinter sich gelassen. Und er ist nur ein Beispiel – es gibt unzählige Amateure, die sich in der Langstreckenmeisterschaft mit den Profis auf Augenhöhe messen.
Ist das auch das Erfolgsgeheimnis der Serie? Mauer: Absolut. Die Langstreckenmeisterschaft verbindet viele positive Aspekte. Auf der einen Seite sind die Top-Teams mit Profirennfahrern. Diese kann man im Fahrerlager hautnah erleben. Auf der anderen Seite gibt es ein breites Mittelfeld, das speziell von den Fahrzeugen her viel Identifikationspotential bietet. Hier fahren Autos Rennen, die wir auch im täglichen Straßenverkehr sehen. Nicht zu vergessen die sympathischen Exoten, die für die nötigen Farbtupfer im Starterfeld sorgen und nicht selten in der Gunst der treuen und fachkundigen Fans ganz weit oben rangieren. Busch: Ja, die Mischung macht’s – packender Motorsport zum Anfassen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Serie? Busch: Ich hoffe, dass wir noch viele Jahre hochkarätigen Breitensport auf der Nordschleife erleben dürfen. Und das ist nicht nur ein Wunsch, dafür arbeiten wir mit viel Engagement. Mauer: Ich würde mir wünschen, dass in der kommenden Saison und darüber hinaus der Sport uneingeschränkt im Vordergrund steht. Und auch das ist nicht nur ein Wunsch, sondern ein klares Ziel, auf das wir hinarbeiten werden.